Ein Tagebuch

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Aussehen

Dies ist das Tagebuch von Dr. Zoran, was man unschwer an den grossen Lettern
auf dem Ledereinband erkennen kann. Dies ist allerdings der einzige Teil
des Buches, welcher gut erhalten ist. Der Ledereinband weist auf einen
regen Gebrauch, die vergilbten Seiten auf ein hohes Alter hin.

Informationen

Kann von einem Seher oder Alchemisten bestimmt werden, wenn keines gesetzt ist, wird Unbekannt angegeben. Nur der Alchemist kann bestimmen, welches Metall auch Gold, Silber, Quecksilber, Kupfer, Eisen, Zinn und Blei beinhaltet.Material: Papier
Kann von jedem bestimmt werden, eine genaue Anleitung (auch für Seher) nter Forschen im Inhaltsverzeichnis unter Gewicht.

Generell gilt zu beachten, es gibt Gegenstände die stapeln, das Gewicht (damit Volumenverbrauch) bei stapelbaren Gegenständen verhält sich anders, je nach Menge.
Gewicht:
1 (sehr leicht)
Kann von jedem bestimmt werden, eine genaue Anleitung unter Forschen im Inhaltsverzeichnis unter Licht.Licht: 0 (leuchtet nicht)
Kann von einem Alchemisten bestimmt werden, allerdings leitet sich die Brennbarkeit oft von dem gesetzten Material ab, z.b. Holz brennt, Textil brennt, Bein brennt nicht.Brennbar: ja
Kann von einem Alchemisten bestimmt werden, allerdings leitet sich die Schwimmbarkeit oft von dem gesetzten Material ab, z.b. Holz schwimmt, Textil schwimmt nicht, Bein schwimmt nicht.Schwimmt: ja

Fundort

Im kleinen Buchregal in der Bibliothek der Metamorpher-Vereinigung in Arwoors Palast.

Inhalt

Tagebuch des Dr. Zoran über den Aufbau der Metamorpher.

Faksimile

Der erste Tag:

Zora ermutigte mich dieses Tagebuch zu schreiben, damit ich unsere Reise
dokumentieren kann. Ich hab bisher nie die Zeit gefunden ein Tagebuch zu
schreiben und bin daher nicht sonderlich geuebt darin. Aber was solls, ich
kann es ja wenigstens mal versuchen. 

Unser Aufbruch heute Vormittag war recht hektisch und wir kamen bisher
nicht dazu eine warme Mahlzeit zu uns zu nehmen. Im Moment sitze ich also
zusammen mit Zora im Gasthaus "Zur Krone" und geniesse mein Abendessen. Das
ist das erste Mal seitdem mich dieser... ach, ich mag gar nicht daran
denken. Egal, was geschehen ist, ist nunmal geschehen. Im Allgemeinen war
der ganze Tag recht hektisch. Wir haben uns noch nicht einmal entschieden
wo wir nun eigentlich hinfahren wollen. Mir ist es eh egal: Hauptsache weit
weg von hier. Ich glaube ich werde mich nachher noch einmal umhoeren und am
Hafen den Fahrplan durchlesen. Vielleicht treffe ich dort ja auch ein paar
nette Reisende, die mir einen guten Tipp geben koennen.

Der zweite Tag:

Ich habe leider gestern nicht viel von den Reisenden am Anglegesteg
erfahren. Dem Rat eines Haendlers folgend haben wir uns entschieden mit der
Argo nach Knossos zu fahren. Die Ueberfahrt war etwas holprig, ein Sturm
zog auf und machte einige unserer Mitreisenden seekrank. Gluecklicherweise
sind Zora und ich in bester Verfassung, das Schaukeln machte uns also nicht
viel aus. Die Ueberfahrt war ohnehin nicht sonderlich lang. In Knossos
angekommen haben wir uns eine Unterkunft gesucht und uns entschieden uns
getrennt umzuhoeren. Ich bin mal gespannt was Zora zu berichten hat. Sie
ist noch unterwegs und ich werde mich auch gleich wieder auf den Weg zum
Hafen machen. Bisher steht Midgard und Gallien in meiner engeren Wahl, aber
noch ist das letzte Wort nicht gesprochen.

Der dritte Tag:

Gestern Abend hatte ich erstaunliches Glueck! Ich habe einen Professor
angetroffen, welcher sich auf der Durchreise von Doerrland nach Gallien
befindet. Ich habe mich lange mit ihm unterhalten und seine Berichte haben
mein Forscherherz geweckt. Er berichtete mir von Pyramiden und einer
Sphinx, die er in der Wueste entdeckt und erkundet hat. Scheint doch nicht
so wuest und leer zu sein die Wueste. Obwohl er nur einen Monat in
Doerrland verbracht hat ist der werte Herr Professor auf erstaunliche Funde
gestossen. Ich war so aufgeregt, dass ich mein liebes Schwesterchen nicht
zu Wort kommen liess, als wir uns spaeter wie verabredet in unserer
Unterkunft getroffen haben. Zu meiner Ueberraschung hatte Zora allerdings
keine Einwaende gegen eine Reise nach Doerrland. Nachdem sie mir allerdings
erzaehlt hatte, was sie an diesem Tag so alles erlebt hatte, konnte ich mir
lebhaft vorstellen warum. Zora hatte sich unten am Pier in einer Bar
umgehoert und machte dort die Bekanntschaft eines charmanten jungen Herren.
Anfaenglich fuehlte Zora sich sehr geschmeichelt von ihm und sie plauderten
eine Weile ueber dies und jenes.

Nach einiger Zeit wurde der Schuft allerdings immer zudringlicher und
versuchte Zora dazu zu ueberreden unser Reiseziel auf Midgard festzulegen,
wo er sie in dem Schloss in dem er wohnt unterbringen wollte. Als sich der
feine Herr dann dem Hals meiner Schwester naeherte und diese seine weissen
Eckzaehne aufblitzen sah, ergriff sie instinktiv die Flucht. Midgard war
damit fuer Zora wohl abgehakt. Pech fuer den Herren, Glueck fuer mich.
Haette sich Zora fuer ein Reiseziel entschieden, dann waeren wir dort
hingereist. Ich kann ihr einfach keinen Wunsch abschlagen. Nun sind wir an
Bord der "Volle Windhose" und uns beiden weht eine recht flaue Briese ins
Gesicht.

Der vierte Tag:

Die Fahrt war bisher ziemlich ereignislos. Weder gestern Abend noch Heute
ist irgendetwas passiert. Irgendwie langweile ich mich zu Tode. Naja, gut:
Es ist mal wieder ein Sturm aufgezogen und die Haelfte der Passagiere steht
an der Reling und fuettert die Fische, aber besonders unterhaltsam ist das
nun wirklich nicht. Ich hab versucht mich ein wenig mit unseren
Mitreisenden zu unterhalten. Das Volk, welches nach Doerrland reist,
scheint aber leider groesstenteils etwas stumpfsinnig zu sein. Wenigstens
habe ich einen Fuehrer nach Doerrstadt gefunden. Ich hoffe wir koennen dort
unser Inventar aufstocken und die Baeder besuchen. Die wurden uns besonders
vom Herrn Professor empfohlen. Hoffentlich passt die Ausruestung die wir in
Knossos besorgt haben auch zum heissen Klima in Doerrland. Der Haendler war
zwar mit Worten recht gut dabei, aber er sah nicht aus als haette er
schonmal eine von weitem gesehen, geschweige denn betreten.

Der fuenfte Tag:

Das Glueck ist mit den Dummen. Das kann ich bestaetigen, mit den Dummen ist
es, aber nicht mit uns. Unser freundlicher Fremdenfuehrer versucht beim
Eingang von Doerrstadt die Fliege zu machen. Mit Erfolg muss ich gestehen,
allerdings nur durch sehr viel Glueck. Ich war ihm dicht auf den Fersen,
gefolgt von Zora kurz hinter mir. Nur noch 10 Zentimeter und ich haette den
Dieb gehabt, da tritt urploetzlich ein roemischer Legionaer aus der Wand.
Es krachte, schepperte und ich prallte von dem Legionaer ab, taumelte durch
die Wand und riss Zora mit. Man kann sich meine Verwunderung vorstellen als
ich mich ein Augenblinzeln spaeter auf einer gruenen, saftigen Wiese
wiederfand. Zora lag direkt neben mir und machte wohl den duemmsten
Gesichtsausdruck den ich je gesehen hab. Mein Gesichtsausdruck war aber
wohl auch nicht viel besser. Wir entschieden uns dann intuitiv gemeinsam
verwirrt und panisch herumzuirren: Huegel rauf, Huegel runter, Huegel rauf,
Huegel runter und so weiter.

Irgendwann hatten wir es dann geschafft uns geistig genug zu sammeln, unser
Gepaeck einzusammeln und uns in Ruhe umzusehen. Uns ist dann auch ziemlich
schnell ein Flimmern ueber dem Huegel aufgefallen auf dem wir in dieser
Gegend aufgetaucht sind. Wer sich nun denkt "Prima, dadurch ging es
hierher, dadurch kommt man dann auch wieder zurueck", der irrt genauso wie
wir es taten. Vorher wollten wir uns aber noch ein wenig mehr umsehen und
merkten uns die Stelle die so schoen flimmert. Nach nur kurzem Herumwandern
sind wir dann auch schon auf einen Pfad getroffen dem wir bis in ein Dorf
gefolgt sind. Jetzt sitzen Zora und ich in eben diesem Dorf in einem
Restaurant und warten auf unseren "geblatenen Hund". Irgendwie kommt mir
das Quieken aus der Kueche ein wenig suspekt vor. Ich bin mal gespannt was
wir da gleich serviert bekommen.

Der fuenfte Tag, Teil 2:

Das Essen, dass wir gebracht bekamen festigte meinen Verdacht, welchen Zora
ihrer Gesichtsfarbe nach wohl auch hatte. Zora stuermte dementsprechend
auch sofort aus dem Restaurant um frische Luft zu schnappen. Ich bin ihr
natuerlich im Eilschritt nach um sicherzugehen, dass es ihr auch gut geht.
Leider dachte der Koch wohl, dass wir die Zeche prellen wollten und lief
uns, Kuechenmesser wild herumfuchtelnd, hinterher. Gluecklicherweise hatte
ich unser Gepaeck bei mir (wohl noch ein Indiz fuer den Irrglauben des
Kochs) und die Verfolgungsjagd konnte direkt zum Flimmern gehen. Der Sprung
durch das Flimmern fuehrte nicht zurueck nach Doerrstadt. Zora durfte die
Erfahrung als Erste machen und ich konnte nur knapp einem Feuerball
ausweichen als ich ihr folgte.

Nachdem der Schock sich wieder aus meinem Geist verzogen hatte sah ich mein
Schwesterchen zusammengekauert in einem Gang aus Jade sitzen. Richtig
gelesen: Der Fussboden war aus Jade, die Waende waren aus Jade, die Decke
war aus Jade, ja selbst die Verzierungen an den Waenden waren aus Jade.
Definitiv nicht Doerrstadt, definitv nicht freundlich. Die naechste
Entscheidung war daher nicht schwierig: Ich wagte gefolgt von Zora den
Sprung gegen die Wand aus der wir gekommen waren. Was mich dann
ueberraschte war nicht die gruene Huegelwiese auf der wir standen, sonder
der fehlende Koch. Ermuedet von diesem strapazioesen Tag haben wir dann
unser Lager ein gutes Stueck weit von dem flimmernden Portal aufgeschlagen.
Ich hoffe der morgige Tag wird nicht so hektisch und wir finden jetzt
erstmal ein wenig erholsamen Schlaf.

Der sechste Tag:

Wir haben uns wieder auf den Weg gemacht. Gegen Mittag haben wir eine
Reisende angetroffen, die uns fuer eine Weile begleiten moechte. Auf dem
Weg hat sie uns erzaehlt, dass sie ein Haus im Wald besitzt und es gerne
verkaufen moechte. Da Zora und ich gerne etwas zurueckgezogen leben und von
dort aus diese Welt prima erkunden koennten, werden wir unserer Begleiterin
das Haus abkaufen. Bei all der Hektik gestern ist uns gar nicht
aufgefallen, dass der Himmel gruen ist. Eine der vielen sonderbaren
Eigenschaften dieser Welt: Inmitten der Landschaft steht ein riesiger
Monolit um den die Sonne kreist, und hoch oben, weit ueber uns, scheint
noch eine Ebene zu sein. Diese Welt ist sehr aufregend, ich werde wohl sehr
viele Fragen an unsere Begleiterin haben.

Der zehnte Tag:

Es ist nun vier Tage her, dass ich das letzte Mal dieses Tagebuch mit
unseren Erlebnissen gefuellt habe. Wir sind gestern an dem Haus unserer
Begleiterin angekommen und haben nun hier uebernachtet. Es ist wunderschoen
hier, recht ungestoert und man kann Spaziergaenge im Wald machen und die
Waldluft geniessen. Den geschaeftlichen Teil haben wir heute Morgen schon
geregelt und das Haus gehoert nun offiziel Zora und mir. Es gibt noch viel
zu erledigen und ich habe nicht viel Zeit zum Schreiben. Vielleicht werde
ich am Abend nochmal ein wenig schreiben, vielleicht komme ich auch erst in
den naechsten Tagen wieder dazu.

Der fuenfundreissigste Tag:

Eine lange Zeit ist es her, ich weiss. Es ist aber auch nicht so viel
passiert: Wir haben uns hier inzwischen recht gut eingelebt. Ich habe neben
dem Haus eine Scheune gebaut in der sich nun mein Labor befindet. Das
Forschen macht in dieser Welt viel mehr Spass als dort wo Zora und ich
herkommen. Alle die ich antreffe haben eine viel positivere Einstellung
meiner Arbeit gegenueber. Ich bin zeitweise so in meine Arbeit vertieft,
dass ich glatt vergesse zu essen und zu schlafen. Haette Zora nicht
staendig ein Auge auf mich wuerde ich wohl eines schoenen Tages bemerken
muessen, dass ich wegen Schlaf- oder Nahrungsmangel tot umgekippt bin. Ihr
ist auch dieser Eintrag zu verdanken. Ich habe mein Tagebuch natuerlich
total vergessen. Das wird sich wohl auch kaum aendern, aber ich werd
versuchen wenigstens ab und zu ueber meine Entdeckungen zu berichten.

Der sechsundfuenfzigste Tag:

Heute kam der hiesige fahrende Haendler mit einem unglaublichen Angebot zu
mir. Angeblich ist er an eine der magischen Maschinen aus dem Palast hoch
ueber der obersten Ebene gelangt. Wie er das geschafft hat, wollte er mir
natuerlich nicht verraten: Betriebsgeheimnis. Aber das kann mir auch egal
sein. Wenn er wirklich an eine dieser Zaubergeraetschaften gekommen ist,
dann ist dies fuer einen Forscher wie mich ein absoluter Gluecksfall. Nicht
nur der Palast ist sagenumwoben, auch die Einrichtung uebertrifft die
Vorstellungskraft eines jeden Einwohners der Ebenen. Der Haendler will mich
Morgen nocheinmal mit seinem Wagen besuchen in mich einen Blick auf das
Prachtstueck werfen lassen. Das will ich mir natuerlich nicht entgehen
lassen. Mann bin ich aufgeregt!

Der siebenundfuenfzigste Tag:

Ich kann es immernoch kaum fassen. Vor lauter Aufregung haette ich fast
vergessen mein Glueck niederzuschreiben. Der Haendler ist wie verabredet
mit seinem Wagen gekommen und hatte auch das Objekt meiner Begierde
mitgebracht. Es ist einfach riesig! Wenn ich so darueber nachdenke ist es
erstaunlich, dass der Haendler mich trotz meiner offensichtlichen
Begeisterung nicht versucht hat ueber den Tisch zu ziehen. Im Gegenteil
sogar: Wir haben einen Kauf auf Raten vereinbart und wir haben gleich alles
im Labor aufgebaut. Ich glaube jetzt habe ich es im Kreuz, der Steintisch
war wirklich unheimlich schwer: Selbst Zora und noch ein Helfer den der
Haendler mitgebracht hatte mussten mit anpacken. So, ich werde mich nun
erstmal im Labor verbarrikadieren und herumprobieren was das Zeug haelt.

Der sechzigste Tag:

Meine Fortschritte sind bescheiden. Ich habe zwar den Nutzzweck
herausgefunden, ich weiss aber immernoch nicht wie man das bloede Ding
bedient. Ich war am Nachmittag im Wald und habe allerlei Getier
eingefangen. Dieses habe ich dann auf den Steintisch gelegt und froehlich
ein paar Knoepfe gedrueckt. Soetwas mach ich nicht wieder, solange ich
nicht weiss wofuer die Knoepfe gut sind. Die Bisswunde am Bein schmerzt
hoellisch. Bloedes Biest.

Der zweiundsechzigste Tag:

So langsam bekomme ich ein Gefuehl dafuer welche Knoepfe ich nicht druecken
sollte. Dieses Wissen haette mich aber beinahe die rechte Hand gekostet.
Ich glaube ich sollte mir eine Hoehle fuer meine Experimentergebnisse
suchen und helfenhaften Rittern Eintrittskarten fuer diesen
Survivalhorror-Erlebnispark verkaufen. Schonmal einen Frosch mit
Spinnenbeinen gesehen, der einen kompletten Jungdrachen wie eine Fliege
faengt? Schaurig. Ich trau mich jetzt erstmal eine Weile nicht in den
Suedwald.

Der einunsiebzigste Tag:

Heute ist mir die Erleuchtung gekommen! Nein, nicht wie man die magische
Maschine bedient. Aber dafuer weiss ich nun warum meine Experimente bisher
immer so unheimlich schiefgelaufen sind. Ich denke ich kann nun weiter mit
dem Getier aus dem Wald herumprobieren ohne jedesmal eine
lebensgefaehrliche Situation herbeizufuehren. Gestern ist uebrigens ein
Wanderer vorbeigekommen und hat mich gefragt ob ich etwas darueber wuesste,
warum es momentan im Suedwald so erbaermlich nach verbrannten
Froschschenkeln stinkt. Ich konnte mir ein Grinsen kaum verkneifen.

Der zweiunsiebzigste Tag:

Diese Zeilen sollten wohl als Beweis genuegen, dass meine Eingebung gestern
richtig war. Meine neueste Kreation sieht zwar immernoch ziemlich absurd
aus, wenigstens wollte sie mich nicht fressen. Zora scheint das Ding
irgendwie niedlich zu finden. Sie hat es Fluffy getauft und fuettert es
grad mit Abfaellen. Mir soll es recht sein: Muss ich den Muell halt heute
mal nicht rausbringen.

Der dreiundsiebzigste Tag:

Fluffy hat sich spontan dazu entschieden zu platzen und einen widerlichen
Fleck im Wohnzimmer zu hinterlassen. Es hat viel Arbeit gemacht Fluffy dort
wieder zu entfernen. Pech fuer mich, mir tut nur die arme Zora leid. Sie
hat Fluffy ziemlich schnell in ihr Herz geschlossen. Vielleicht kann ich ja
irgendwie Ersatz schaffen, aber ich vermute das wird ziemlich schwierig:
Alle meine Experimente sind heute auf die gleiche, tragische Art wie Fluffy
verendet. Was fuer eine Sauerei.

Der fuenfundsiebzigste Tag:

Die Lage hat sich leider nicht gebessert: Ein Experiment nach dem Anderen
verabschiedet sich mit einem Knall und ekelhaftem Gestank.
Verstaendlicherweise machen die Wanderer zur Zeit einen riesen Bogen um
unser Heim und wir muessen die fahrenden Haendler auf ihren Handelsrouten
abfangen wenn wir etwas kaufen wollen. Ich werde wohl gleich aufraeumen und
das Labor von oben bis unten schrubben muessen. So kann es einfach nicht
weitergehen. Es scheint mir ich muss die Ergebnisse meiner Experimente
auswerten und meine Schluesse daraus ziehen bevor ich wieder mit dieser
Chaosmagie herumexperimentiere.

Der hundertsiebte Tag:

Eine anstrengende Zeit liegt hinter mir. Das Auswerten der Ergebnisse war
viel anstrengender als ich erwartet hatte. Ich mach mir schon langsam
Vorwuerfe, dass ich keine Zeit fuer mein Schwesterchen habe. Wenigstens hat
mir die Arbeit viele neue Erkenntnisse eingebracht. Mir schwirrt allerdings
der Kopf, weswegen ich mir nun eine Woche frei und mit Zora etwas
unternehmen werde. Ich melde mich dann in sieben Tagen wieder.

Der hundertvierzehnte Tag:

Diese Woche mit Zora hat mir wirklich gut getan. Ich fuehle mich frei und
voller Energie und Tatendrang. Ich habe Zora versprochen jeden Monat ein
Wochenende fuer sie zu reservieren und zu entspannen. Mir ist auch ein
Haufen an Ideen gekommen was ich falsch gemacht haben koennte. Es ist
nurnoch eine Frage der Zeit bis ich weiss was wie zu tun ist. Morgen heisst
es frisch ans Werk, die Spannung steigt.

Der hundertfuenfzehnte Tag:

Er ist es! Der Durchbruch!

Der hunderzwanzigste Tag:

Meine Euphorie hat sich berechtigt! Ich bin nun in der Lage die magische
Maschine aus dem Palast ueber den Ebenen zu bedienen. Es ist mir nun
moeglich ein Lebewesen von einer Form in eine andere Form zu
transformieren. Ich darf nur dabei nicht vergessen, dass ich weiterhin an
die vorherrschenden Gesetze der hiesigen Physik gebunden bin. Ich kann zum
Beispiel aus einem Ochsen einen Frosch machen, aber ich muss dem Tier noch
die temporaere Moeglichkeit geben die ueberschuessige Masse als Energie
abzugeben. Umgekehrt muss dem Frosch sehr viel Energie zugefuehrt werden,
welche er dann in Masse fuer den Ochsen umwandelt. Die Verwandlung
benoetigt Zeit: Mein groesster Fehler war, dass ich sie einfach sofort
herbeigefuehrt hatte. Auch sollte man niemals mehrere Lebewesen miteinander
verschmelzen. Die Folge kann extrem aggressives Verhalten sein, welche sich
durch die Vermischung mehrerer "Persoenlichkeiten" in einem Wesen ergibt.
Ich habe immernoch meine Andenken an meine ersten Versuche.

Ein Wunder, dass ich das alles ueberlebt habe. Auch ist bei der Verwandlung
zu beachten, dass das Endprodukt faehig sein muss zu ueberleben. Nehmen wir
als Beispiel mal einen Minotaurus. Aufgrund seines Pferdekoerpers benoetigt
er viel mehr Sauerstoff um die Organe und Muskeln zu versorgen als das
menschliche Atmungssystem es bieten kann. Ich muss also den Pferdeteil des
Koerpers mit Atemoeffnungen versehen um die Pferdelunge mit Luft zu
versorgen. Andernfalls wuerde der Minotaurus schon waehrend seiner
Verwandlung einfach ersticken. Fuer jede neue Verwandlungsform muss ich
also genaueste Berechnungen anstellen, damit die Verwandlung nicht in einem
Desaster endet. Ich denke es ist soweit, dass ich mir eine Versuchsperson
suchen sollte, an welcher ich die erste Verwandlung an einem Menschen
testen kann. Morgen werde ich mich auf den Weg machen und nach geeigneten
Probanden suchen.

Der hundertachtundzwanzigste Tag:

Ohne jegliches Glueck bin ich gestern gegen Abend zurueckgekehrt. Geeignete
Subjekte fuer meine Versuche gibt es reichlich, aber niemand hat sich dazu
bereiterklaert mir zur Verfuegung zu stehen. Es ging sogar soweit, dass ich
in einigen Gegenden nun von wuetenden Mobs verfolgt werde sobald ich mich
dort blicken lasse. Das freundlichste, was ich zu hoeren bekam war
haemisches Gelaechter. Man sagte mir ich solle mich nicht auf das
Territorium des Lords wagen. Es wuerde mir und allen die mit mir zu tun
haben nur Unglueck bringen. Wo ist nur das Verstaendnis fuer meine
Forschungen geblieben? Pah! Wer braucht schon dieses Volk. Heute Nacht noch
werde ich es wagen und es ihnen allen zeigen! Jaja, ich weiss:
Selbstversuche sind nie eine gute Idee! Falls es schieflaeuft: Ich moechte
meine Schwester wissen lassen, dass ich sie lieb habe. Ich habe ihr
natuerlich nichts von meinem Vorhaben erzaehlt, sie wuerde mich nur davon
abhalten wollen.

Der hundertdreissigste Tag:

Ich habe moerderische Kopfschmerzen und die Muskeln in meinem Koerper
fuehlen sich wie eine Woche Muskelkrampf an. Aber da muss ich durch: Wer
Elf sein will muss leiden. Richtig bemerkt! Ich lebe noch und der
Selbstversuch ist geglueckt! Ich kann mich allerdings nicht daran erinnern
was passiert ist nachdem ich die magische Maschine eingeschaltet habe. Mich
traf der uebliche Blitz und danach bin ich in meinem Bett aufgewacht. Zora
berichtete mir, dass sie mich auf dem grossen Steintisch gefunden hatte,
als sie gestern gegen Morgen nach mir sehen wollte. Sie hat sich
unheimliche Sorgen um mich gemacht und ist froh, dass es mir gut geht. Ich
bin gespannt wie sie es aufnimmt wenn ich mich ihr gleich vollstaendig
verwandelt praesentiere. Oh, sie kommt den Flur entlang, ich muss Schluss
machen.

Der hunderteinunddreissigste Tag:

Man koennte meinen Zora waere vor Schreck schreiend aus dem Raum gelaufen
als sie mich gestern das erste Mal als Elf sah. Es war nicht der leiseste
Hauch von Ueberraschung in ihren Gesichtszuegen zu entdecken. Ganz im
Gegenteil: Sie betrat den Raum mit einem Laecheln im Gesicht und einem
Zettel in der Hand, welchen sie mir reichte. Mein Erstaunen brachte sie zum
Schmunzeln als sie mir entgegnete: "Jetzt bin ich dran." Auf dem Zettel war
eine Abbildung einer Shiva zu sehen, ein Wesen von dem Zora schon als
kleines Kind fasziniert war. Hab ich schon erwaehnt, dass ich meiner
Schwester keinen Wunsch abschlagen kann? Jetzt stehe ich davor in den
naechsten Tagen die hochkomplexen Berechnungen durchzufuehren um Zora in
eine Shiva verwandeln zu koennen. Da wartet eine ganze Menge Vergnuegen auf
mich.

Der hundertsiebenunddreissigste Tag:

Ganze fuenf Mal habe ich die Berechnungen durchgefuehrt und bin immer zu
dem gleichen Ergebnis gekommen. Ich denke ich kann mir nun sicher sein,
dass alles korrekt ist und wir mit der Verwandlung beginnen koennen. Es hat
einiges an Zeit gekostet den Vorgang so zusammenzustellen, dass mein
Schwesterchen nicht die selben Qualen erleiden muss die ich erleben durfte.
Heute ist also der grosse Tag. Ich bete, dass alles glatt laeuft: Einen
Fehler der das Leben von Zora ruiniert oder es sie gar kostet koennte ich
mir nie verzeihen.

Der hundertachtunddreissigste Tag:

Es ist unglaublich: Zora ist nicht nur gesund und sehr munter, sie hat auch
spontan ihre sechs Haende dazu genutzt um mal ordentlich aufzuraeumen. Es
ist mir ein Raetsel wie sie so schnell mit der ungewohnten
Hand-Augen-Koordination zurecht gekommen ist. Sie hat uebrigens voller
Eifer vorgeschlagen mit mir fuer ein paar Wochen die Ebenen zu bereisen um
zu sehen wie man auf unser Erscheinungsbild reagiert und ob sich vielleicht
doch noch Leute anfinden die sich auch verwandeln lassen. Dass es klappt
ist ja nun bewiesen. Ich hab ihr zugestimmt. In Zora steckt anscheinend
auch ein kleiner Anteil Forscher.

Der hundertzweiundachtzigste Tag:

Viel ist passiert in den letzten Wochen und Monaten, viel hat sich
veraendert. Auf unserer Reise durch die Ebenen haben wir taetsaechlich eine
kleine Gruppe an Individuen um uns geschart, welche alle in der Verwandlung
eine Quelle neuer Hoffnung sehen. Wir sind leider oft auch auf
Unverstaendnis und Feindseeligkeit gestossen. Man koennte sagen es gibt
diverse Gruppen die uns gerne an einem Strick baumeln sehen wuerden. Unsere
neuen Freunde haben uns deshalb geholfen mit dem Labor und unseren
Habseligkeiten umzuziehen in ein sicheres Versteck. Wir sind auf unseren
Wegen eines Tages auf eines der vielen Portale gestossen, welche an andere
Orte fuehren. Dieses brachte uns anscheinend in eine kleine Hoehle im
Monolithen. Weil das Portal in beide Richtungen fuehrt und recht versteckt
liegt haben wir diese Hoehle als unsere neue Heimat erwaehlt und sind nun
dabei die Hoehle zu erweitern. 

Gegen Nachmittag haben wir uns heute allesamt zusammengesetzt und beraten
wie es weitergehen soll. Alle sind sich einig, dass wir gemeinsam mehr
erreichen koennen als wenn wir jeder alleine sind. Der Entschluss eine
Vereinigung zu gruenden war also schnell gefasst. Es gibt also ab heute die
Metamorpher-Vereinigung und die Hoehle wird unser gemeinsames Zuhause.
Einen Kodex oder aehnliches gibt es aber nicht. Die Metamorpher-Vereinigung
ist bereit jeden aufzunehmen, der/die/das die Zukunft in einer anderen Form
bestreiten moechte und bereit ist anderen Metamorphern in der Not zur Seite
zu stehen. Ich kann mit fug und recht behaupten ich war noch nie so stolz
darauf an etwas beteiligt zu sein wie ich es heute bin.

Der hundertneunundachtzigste Tag:

Mein Labor ist endlich fertig aufgebaut. Wir haben nun ein schwarzes Brett
und eines unserer Mitglieder konnte sogar einen schoenen Spiegel fuer uns
ergattern. Zora hat die Verwaltung der Mitglieder der Vereinigung
uebernommen und ist nun die Ansprechspartnerin fuer alle Betritts und
Austrittsangelegenheiten. Ich habe auch schon die Berechnungen fuer ein
paar weitere Formen fertig. Die Zukunft kann kommen, ich bin bereit!